**Radio Irrtum! 2026/07 - Tripping over Hops**


Politik nach Acht. 


Herzlich Willkommen zu Politik nach 8 hier auf Alex Berlin. Mein Name ist Dietmer Erge und unser Thema heute lautet:

Berlin, was können wir machen?

Dazu habe ich eine illustre Schar von Gästen hier im Studio - zu meiner Linken vom Ausbildungszentrum für Fußwegnutzer:innen Frau Bürge Steig

- Guten Tag

Vor mir von der originellen Initiative Berlin braucht Mücken, Herr Dr. Mosk Wito

- Guten Tag

Und Rechts von mir von der Organistation Gelen und Färben Frau Schampina Back

- Guten Tag Herr Erge  

Heute ist es ja so, dass

Stimme: Halt Halt Halt, alles Falsch, das ist die falsche Sendung. Bitte alle raus! Jetzt kommt Radio Irrtum!

[Empörung, Moderator blättert] Aber ich hatte… ich hatte mir das doch extra so notiert…, ach doch, ahhh, mein Fehler.

**[Irrtum Intro]**

Tja, passiert. Dann eben jetzt Radio Irrtum! mein Name ist Herr Irrtum! . In der kommenden Stunde gibt es hier brandneue, verdammt gute, undergroundige Musik aus verschiedensten Genres von eher unbekannten Künstler:innen.   
Und wie immer geht es angenehm poppig los, um Euch freundlich zu stimmen - hier ist aus Egypten  
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**01. she hacked you: ayza | ayza [S/CC]** 

↑↑↑ Und das steht übrigens unter der freien Creative Commons Lizenz, also [CREATIVE].

Hinter “she hacked you” verbirgt sich die Künstlerin Ekis Tsuki, die ursprünglich aus Los Angeles in den USA stammt, vor ein paar Jahren aber nach Mailand gegangen ist und heutzutage in Ägypten lebt. Wenn sie nicht musiziert mit ihrem sehr charakteristischen Glitchy Pop Ansatz, programmiert sie übrigens auch. Auch wenn sie hier nicht singt, im Fediverse kann man sie als entschiedene Gegnerin der Politik von Trump und der Art, wie unsereins AI aufgezwungen wird, erleben.

Ja, und damit sind wir mitten drin in [tellerrand]

In dieser Stunde gibt es hier noch…

  - Elektroakustischen Dub Pop
  - wirklich geniales Beatmaker Zeugs
  - Völlig versponnenes Club Footwork
  - Großartiges Clubzeugs aus Ecuador
  - abstract Bass Garage
  - glitch Industrial
  - experimentelle IDM Soundskulpturen
  - Jazzy Trip Hop
  - Hardcore Punk
  - Shoegazing Grunge
  - und zum Ausklang noch etwas Field Recording Triphop

Aaaaaber: Das ist noch nicht alles: Im Hintergrund, während ich hier rede, läuft Musik aus Berlin, von Polygonia & Rødhåd aus der Domäne des oldskuhl Mimimal Dub Techno… - Wenigstens für ein paar Sekunden hören wir da mal rein

  - Polygonia & Rødhåd: MAUVIER [EP]

Und damit kommen wir zum nächsten Stück in dieser Sendung, eine völlig überraschende Kooperation, von einer Band, die ich *eigentlich* nicht besonders gut leiden kann - aber hier, im Zusammenspiel mit einer absoluten Legende, sind sie wahrhaftig großartig. Liebe Zuhörer:innen, freut Euch mit mir auf

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**02. Lee "Scratch" Perry & Mouse on Mars: Rockcurry | Spatial, No Problem. [A]** 

Wo fange ich da an? Mit Lee “Scratch” Perry freilich, DER 1936 geborenen Reaggy Legende aus Jamaika, über den allein könnte ich mehrere abendfüllende Sendungen machen. Der hat schon in den 50ern Musik gemacht, der hat in den 70ern niemand geringeres als Bob Marley and the Wailers und diverse weitere Reggae Größen produziert. Damals erschien es unerhört, dass sich ein Typ tagelang mit nur wenig Essen und Trinken tagelang in ein Studio einschloss, nur um den korrekten Sound seiner Produktionen sicherzustellen. Später hat er mit Adrian Sherwood, The Mad Professor order den Beasty Boys zusammengearbeitet. Und jetzt? Ist er tot!!   
Wie jetzt, tot - wie kann er denn da mit dem deutschen Elektronik-Frikkler-Projekt Mouse on Mars zusammengearbeitet haben? 

Des Rätsels Lösung: Die haben sich 2019 getroffen, hier in Berlin und die Aufnahmen gemacht. Das, genau das, das “Spatial, No Probelm” Album von Mouse on Mars ist das letzte, offizielle Lee "Scratch" Perry Album. Warum Mouse on Mars jetzt satte 7 Jahre drauf gesessen haben, verstehe ich nicht, das Album ist wirklich gut. Aber ich muss jetzt ja auch nicht alles verstehen.

Was auch richtig gut ist, ist das hier:

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**03. RIGGS: Mamas house | BEATS BY WELCOME TO BELGIUM VOL.1 [VA] No Spoti** 

Whoa, ist das toll, schade, dass es schon wieder zuende ist, das war ↑↑↑ . 

[Radio Irrtum, knabbering]. Das ist die Sendung der Sender ist Alex Berlin und mein Name ist Herr Irrtum!.

Der soeben gehörte Track entstammt einer wirklich hochwertigen Compilation und ja, das Label heißt so, es heißt eben “Welcome to Belgium” und hat sich so… jazzigen Beats verschrieben und ebendiese liefert diese Compilation in exzellenter Qualität . Über den hier gehörten RIGGS habe ich erstmal gar nichts in Erfahrung bringen können – aber dann hab ich das Label angeschrieben, die haben mich innerhalb einer Stunde an RIGGS weiter vermittelt und der hat dann auch gleich geantwortet. Super  - das passiert tatsächlich sehr selten. Wenig überraschend ist RIGGS ist ein belgischer Beatmaker und Producer, der seit ca. 2020 aktiv ist und mit Unmengen von Samples gern auch live hantiert, all das mit seiner coolen SP404 (also Dawless, würden Fachmenschen jetzt sagen). Er ist in der Brüssler DJ-Scene sehr umtriebig, organisiert da Events rund um das Live Djing von Jazzy Hiphoppy Beats – das als Teil des Projekts „tired for culture“, was wiederum auch auf diesem Sampler, also auf „BEATS BY WELCOME TO BELGIUM VOL.1“ vertreten ist. Zudem kann man ihm und seinem Label zugute halten, man findet sie NICHT auf [Spotify].  
So wie auch den nächsten Künstler, hier ist…  

aber Moment mal, ist heute nicht auch?

[Saturday]

Passend dazu, der erfrischende

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**04. Kevin Bakin: 145bpm_TurnUp | DJ Edits, Vol. 4 [A] No Spoti** 

↑↑↑ Auch wieder ein Fall, wo das Label, in dem Fall SWARVY Music NULL über den Künstler verlauten lässt, ihr findet das auch nicht auf den großen Streamingdiensten wie [Spotify] - find ich erstmal gut. 

[Anmerkung: Das folgende Statement wurde so nicht ausgestrahlt. Statt dessen gibt eine "Voice aus dem Off", die über den Sprecher spricht und angibt, dass sich das Label mittlerweile auf meine Anfrage gemeldet hat und Kevin Bakin ein real existierender Mensch aus der Foodwork scene ist.]

> _Ihr findet aber auch nicht mal irgendwas über das Label. Ey, das ärgert mich, wie BLÖD muss man sein als Label!!_ 

[ ↑↑↑ so nicht ausgestrahlt ↑↑↑ ]

Immerhin konnte ich über Kevin Bakin rausfinden, das er von sich behauptet, aus dem Iran zu sein - das kann aber auch ein bewusster Hoax sein, die gleiche Platte von 2020 (also nicht der, aus der wir gerade was hörten, die ist brandneu), wo das über ihn drauf steht, hat ein Release-Datum von 2030, insofern… who knows. Aber er hat definitiv beim Laughing Khokmah Ensemble mitgemacht, und die sind mindestens seit 2012 aktiv. Was das eigentlich Verrückte ist, das ist ja… Ihr habt es hoffentlich mitbekommen… sein unkonventionelles Drum-Programming. Das klingt, als hätte man eine 808 zusammen mit anderen alten Klopfgeistern in eine Kiste geworfen und diese kräftig geschüttelt und ich finde das absolut faszinierend - das ist tatsächlich sein Style, der sich durch alle seine Stücke durchzieht.

Gar nicht so weit weg davon, aber dann doch konventioneller sind die hier:


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**05. Entrañas [Entranjas] x Zunfo: Ah | Ah / Eh [S]** 

Die kommen aus Ecuador; aus Quito, der Hauptstadt um genau zu sein - Mein lieber Schwan, was für eine moderne Stadt. Mit knapp 3 Millionen Einwohnern übrigens. Zurück zu [Entranjas] x Zunfo: Die beiden werben dafür, dass sie elektronische Clubsounds mit der Zitat “rhythmischen Komplexität Latein-Amerikas” zusammenbringen. Das klingt nach altem Hut, aber tatsächlich, so wie die beiden das machen, gibt es ihren Tracks wirklich diesen gewissen Pepp, der sie vom Rest der Masse positiv hervorhebt.

Kommen wir zum Genre

[Bass]

Hier ist

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**06. unknown - untitled: B2 | uu015 [double E] No Spoti** 

↑↑↑ AUCH wieder so ein Fall, wo, wie der Name schon sagt, unklar ist, wer sich hinter diesem Künstlernamen “Unknown - untitled” verbirgt. Da ist es aber ein bisschen anders als in den vorherigen Fällen. Im Grunde ist  “unknown - untitled” ein Label und nicht unbedingt ein Künstler. Und dieses Label wird wiederum betrieben durch einen gewissen “uu rhythm” und der veröffentlicht aus Prinzip anonym, weil er sagt, dass es in erster Linie um die Qualität der Musik geht und nicht um sowas wie “große Namen”. Wenn einer Person etwas gefällt, und dann z.B. das Vinyl kauft, dann erst wird ersichtlich, welche Künstler:innen zu hören sind. Konnte ich nicht probieren, weil die Tracks auf dem Album nicht einzeln erhältlich sind… aber selbst wenn: Wir wollen ja den Mythos aufrechterhalten. Wenn Euch also B2 aus der Doppel-EP uu015 von unknown - untitled gefällt - kauft Euch die EP und dann wisst Ihr auch, wer dahintersteckt. Gibts übrigens - zumindest derzeit - nicht auf [Spotify], das ganze wird erst am 4. September released. 

[Radio Irrtum Mikrofon]

Und damit sind wir in der zweiten Hälfte der Sendung angelangt und da vollziehen wir gleich einen Kurswechsel. So gibt es hier noch 

  - glitch Industrial
  - experimentelle IDM Soundskulpturen
  - Jazzy Trip Hop
  - Hardcore Punk
  - Shoegazing Grunge
  - und zum Ausklang noch etwas Field Recording Triphop


Glitch Industrial also als Nächstes und das sind

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**07. Et Voilà [Ieh–Voü-la): Brutalism 01 | Architextures vol.1 [A/CC] No Spoti** 

↑↑↑ Sehr coole Sache das Ganze - zum einen weil es frei unter Creative Commons released ist [Creative Commons] und zudem weil es nicht auf [Spotify] zu finden ist. Das ganze kommt vom bulgarischen Netlabel Mahorka, was sich aber längst einen sehr guten Namen in der internationalen Creative-Commons-Musik-Szene gemacht hat. So kommt auch Ieh Voü-la nicht aus Bulgarien, aber auch nicht aus Frankreich, wie der Name zunächst vermuten lässt, sondern aus Barcelona in Spanien. Und das hier ist sein Debüt Album.

Jetzt hab ich gleich wieder eine aussprachliche Herausforderung, oh man, mit mir könnt Ihrs ja machen…

Hier kommen 

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**08. Geins't Nait [Schangs Na-iet] + LØ + Scanner: Chut(e) | Behind The Door [A]** 

Und da haben sich mal wieder absolute Legenden getroffen. [Schangs Na-iet], sind seit Mitte der 80er in Frankreich aktiv und gelten als Mitbegründer der Post-Industrial Bewegung, die sehr elektronisch experimentell unterwegs war - sehr ähnlich wie zur gleichen Zeit Coil in England. Und wer mit Coil damals in England abgehangen hat, oder mit Leuten wie Nurse with Wound (was er übrigens heute noch tut), das war Scanner, ein Mensch, der dezent im Hintergrund für den guten Sound dieser Epoche wirkte. Der ist nach wie vor aktiv und ist hier maßgeblich der Mensch hinter dem Konzept dieses Albums und LØ, mit so einem norwegischen Ø geschrieben, das ist in dem Fall die Tochter eines der Mitbegründer von [Schangs Na-iet]. Zusammen haben sie ein wunderbares Werk geschaffen, was klingt, wie der Soundtrack zu einem fiktiven dystopischen Science Fiction Film.

Das wiederum kann man von folgendem Projekt nicht sagen, die klingen nämlich außerordentlich freundlich – wir hören:

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**09. Tara Clerkin Trio: Lazy Daisy | Somewhere Good [A]** 

[knabbering]

↑↑↑ Die kommen aus Bristol und bestehen, klar aus Tara Clerkin; ihrem Partner Sunny Joe Paradisos und dessen Bruder Patrick Benjamin. Gemeinsam machen sie, ohne dass das jetzt ihr erklärtes Ziel wäre, so etwas wie organischen Triphop mit Jazz Elementen, die etwa mittels Kontrabass dezent eingestreut werden - im gehörten Song jetzt gerade weniger, ok. Das mag nun alles schön und gut sein, aber hier hat jetzt ein Hörer angerufen - der wünscht sich einen wesentlichen Richtungswechsel in der Sendung… Ok - wir lassen ihn das gern mal selbst ansagen:

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**10. PIPER MARU: VACANCY | BABAGSAK SILA [EP]** 

Ohhh, das gab aber auf die Mütze ↑↑↑ .  Und Babagsak Sila das ist ein Ausdruck in Tagalog und Tagalog ist die Sprache, die in den mittel-nördlichen Gefilden der Phillipinen gesprochen wird. Übersetzt heißt es: “SIE WERDEN SCHEITERN!”.  Ich denke, die Sängerin Cheekers von Piper Maru kommt von da, und hat diesen Titel quasi gespendet. Allerdings residiert das Projekt Piper Maru, was es seit 2018 gibt, nicht auf den Phillipinen sondern im kanadischen Toronto. Ich glaube ja, musikalisch und auch sonst so eine der interessantesten Städte der Welt.


Weiter gehts mit Grunge, hier sind


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**11. Sweet Tooth: Slab Fork | Guppy [A|CC]** 

 ↑↑↑ Die kommen aus Beckley in den USA und zu meiner großen Überraschung steht ihre Musik unter der freien Creative Commons Lizenz [Creative]. Die Platte ist von August 2025, also gerade noch im 12 Monats-Limit, was in dieser Sendung gefahren wird, hier wird nur bei Specials Musik gespielt, die älter als ein Jahr ist. Zurück zu Sweet Tooth, dieser Band um die Sängerin Maya Deal (vielleicht darf man die auch Major Deal aussprechen) die mit diesem Sound einfach nirgendswoandersher als der USA kommen kann - es lebe das Cliche - aber die das alles auch wirklich sehr charmant machen. Guppy ist dabei ihr Debütalbum.

Und glaubt es oder glaubt es nicht - hiermit sind wir erstmal am Ende von…

[OMG]

Ja, am Ende dieser Julei-Ausgabe von Radio Irrtum!, mein Name ist Herr Irrtum!, und Ihr findet mich, die Playlist UND das Manuscript zur Sendung im freien sozialen Netzwerk Fediverse unter

@herr_irrtum@s.basspistol.org
  
Etwas Zeit ist aber noch; darum zum allgemeinen Abklang…  ↓↓↓
Das ist ne Compilation, die um das Thema Holz und Spechte kreist. Die gibts übrigens nicht auf [Spotify] und steht unter einer “name your Price” agenda. Mea Poulpa, die wir daraus hören, kommen aus Frankreich und sind bekannt für ihren tief triphoppigen Downtempo Sound. Viel Spaß damit, gehabt Euch wohl und vielleicht bis zum nächsten Mal, Euer Herr Irrtum!

**12. Mea Poulpa : Woodyy | ARBOREAL TELEGRAPH [VA/NYP] No Spoti**

