# **Radio Irrtum! 2025/11 – Spoken Words don’t come easy** **[Alex]** **[Intro] ??** Und damit herzlich Willkommen zur - zumindest inhaltlich - gar nicht mal SOO kalten November’25 Ausgabe von Radio Irrtum!, Eurer seltsamen Underground Musik Sendung. Mein Name ist Herr Irrtum! und was alles in der kommenden Stunde passieren wird, erzähle ich Euch nach diesem ersten Titel und das ist - Underground hin oder her - wie immer am Anfang dieser Sendung ein leicht verdaulicher - aber in unseren Breiten leider unbekannter - Pop Titel . Denkt nur nicht, dass es dabei bleibt – ehe Ihr Euch verseht, werdet Ihr Euch in abseitigsten experimentellen Klangwelten wiederfinden… aber vorerst könnt Ihr noch entspannt bleiben - hier ist aus Chile: **01. Diego Lorenzini (y Jorge Teillier): El año que viene “ÄllAnnjo kä bvjennä” | ¿Y? [A] [CC]** ↑↑↑ Ja, fast schon zuverlässig aller halben Jahre gibt es was in dieser Sendung vom chilenischem Wunderkind Diego Lorenzini - in diesem Fall zusammen - nein, nicht zusammen mit “Chorche Dteihliär” - der ist ja schon tot, dieser bedeutende chilenische Dichter, nein, mit einem Gedicht von ihm, was er vertont hat - das Gedicht “ÄllAnnjo kä bvjennä” - auf deutsch “nächstes Jahr”, was Dteihliär 1956 geschrieben. Dteihliär ist dabei einer der absoluten künstlerischen Vorbilder von Diego Lorenzini – insofern erklärt sich diese Vertonung sehr gut.Und Lorenzini selbst hat nicht nur eine unglaubliche Menge an Chilenischen Musikpreisen eingeheimst, er ist auch noch als Filmschaffender und Labeleigentümer unterwegs - Uva Robot heißt sein Label, auf dem natürlich auch dieses neue Album “**¿Y?**” - also “na und?” - erschienen ist - und dann noch absolut faszinierend: ALLES was er rausbringt… alles, was sein Label rausbringt, steht unter der Creative Commons License [CC] Ihr dürft es also kostenlos kopieren und Euren Freund:innen weitergeben, ohne als Raubkopierer;in für Jahrzehnte im Knast zu landen - aber selbstverständlich dürft Ihr die Künstler;innen auch unterstützen, wenn Ihr wollt und könnt. UNd damit sind wir mittendrin bei [Tellerrand] und heute gibt es noch… - stimmlichen Orgelpunkt - Pop - verträumten Triphop aus Bulgarien - eine Künstlerische Traumkooperation aus dem Fediverse-Bonkwave Universum - elektronische Spielerei - energetischen 140er Bass - IBM (der Radio-Irrtum! eigene Begriff für Intellectual Bass Music) - Experimental Spoken Words - weniger experimental Spoken Words (ja, einen kleinen Schwerpunkt haben wir auf Spoken Words - vielleicht mache ich dazu vielleicht auch mal ein Special) - dark riot grrrl Postpunk - und zum Abschluss versträumtes Downtempo Lofi zum Glücklichwerden Wir haben noch viel mehr Creative Commons Musik [CC] aber das reicht noch nicht! Es gibt da nämlich jemanden, der sitzt am Ende der Welt – zumindest aus Berliner Perspektive – nämlich in Oldenburg, Und er macht dunkle aber höchst atmosphärische Dronenmusik mit einem besonders schönen Twist: In fast allen seinen Stücken verarbeitet er in irgendeiner Form Radiowellen - und insofern passt das wunderbar als Hintergrundbegleitung in dieser Sendung. Ich rede von dem Künstler namens Anima Exanimata. Und obwohl er fast mittellos ist, gibt er seine Musik frei heraus und verbittet sich jede Bezahlung. Sprich, wenn jemand unbedingt für seine Musik zahlen will; dann empfiehlt er, statt dessen an eine gemeinwohlorientierte Organisation zu spenden. Ich kann mich vor so einem Selbstverständnis nur zutiefst verneigen, das meine ich verdammt ernst. Lasst uns mal wenigstens für ein paar Sekunden reinhören - in das Album “Arcana Tenebrarum” von “Anima Exanimata”. [Anima Exanimata - Arcana Tenebrarum - 04 Voces noctis.mp3] Anima Exanimata war das; - und im Übrigen das erste mal, dass ich in dieser Sendung lateinisch gesprochen habe - aber jetzt was ganz ganz anderes. Es gibt etwas Neues von der unvergleichlichen Alev Lenz; der Titel heißt ↓↓↓ **02. Alev Lenz: Domestisizer (on F) | 4 in a Cycle of Thirds [A, 2026]** ↑↑↑ … Zwei Titel des Albums sind bislang hörbar, aber die Namen aller Titel sind bekannt - und alle Titel haben soetwas wie dieses “on F” als Suffix anhängen. So gibt es noch Titel, die enden auf “on C”, on G, on D und so weiter. Was hat sie da im Sinne, die Alev Lenz? Nun - Vielleicht ist es Euch aufgefallen – dieses Stück setzt komplett auf den sogenannten Orgelpunkt. Das heißt, es baut auf einer einzigen Note auf. Das ist eine Technik, die im Barock im 17. Jahrhundert von Leuten wie Heinrich Schütz und satte hundert Jahre später von Johann Sebastian Bach aus einer noch älteren Musikform, der zeremoniellen “Schlachtenmusik” aufgegriffen wurde. Allerdings haben Größen wie Schütz oder Bach diese Orgelpunkt-Technik selten mehr als eine Handvoll Takte durchgehalten, weil es - das ist ja nicht ganz unlogisch - mit der Zeit immer schwieriger wird, solche Musik interessant zu gestalten. Cooler Weise hat Alev Lenz überhaupt keine Probleme, mit dieser Technik ein GANZES LIED zu tragen, ohne dass es nur im Entferntesten uninteressant wirkt. Und dann wird auch klar, warum die Namen der Stücke dieses Albums **4 in a Cycle of Thirds** alle mit so etwas wie “on F” enden. F ist nämlich hier die Note des Orgelpunkts. Ich habs eigenohrig geprüft. Sehr wahrscheinlich ist dann das ganze Album, was eben 2026 erscheinen wird, ein einziger Orgelpunktexzess. Ich bin verdammt gespannt darauf – nicht nur deswegen, sondern auch, weil Alev Lenz eine unvergleichliche Ausnahmekünstlerin ist, die wie kaum eine andere auf fast schon berauschende Weise allein mit ihrer Stimme zu arbeiten vermag. Jetzt wieder zu etwas ganz anderem - einem Titel, den ich wirklich nicht gern vorlese - Ihr werdet gleich merken, warum - hier ist **03. Iliaque: Dayin vs sevensy vs Tomosla - Reaching for Silence vs one2one vs Stoc below (Iliaque Mix) | Mahorka Remixes Vol.7 [E] [CC]** ↑↑↑ Boa, Leute, und weil ich es HASSE, solche Titel vorzulesen, belasse ich es mit weiteren Erklärungen, da bin ich sauer, da mache ich nicht mit. Nur so viel. Das ist freie Musik - genaugenommen Creative Commons Musik [CC] von einem bulgarischen Netlabel namens - immerhin ein kurzer Name - namens Mahorka - eben der Name taucht ja auch im Titel der EP auf, aber praktisch sind da ausschließlich Remixe und Meshups diverser Künstler:Innen von dem gerade gehörten Iliaque drauf. Nicht finden werdet Ihr das ganze übrigens auf [Spotify] [Alex] Wir bleiben bei freier Musik - im Folgenden Fall bei einem Aufeinandertreffen von Giganten der Creative Commons Scene im Jahr 2025, hier ist: **04. AxWax: CLONK! (pulu's calculus nightmare remix) | CLONK! (EP) [CC]** ↑↑↑ UNd das alles steht unter der freien Creative Commons Lizenz. [CC] Actually, wie der Ungar sagt, actually so frei, dass man es nicht mal mehr unter Bandcamp findet; was es jetzt für Musiksuchende wie mich nicht unbedingt einfacher macht. Sondern AxWax, der Typ, der zwar aus diesen Landen stammt, aber längst in Spanien lebt und dem Vernehmen nach die letzten Wochen dort mit der Olivenernte verbracht hat, Ax Wax publiziert das dezentral bei sich! Mittels der freien Opensource Lösung “Faircamp” - zum Glück gibt es aber Faircamp Aggregatoren, so dass auch ich sowas mitbekommen kann. Tatsächlich mitbekommen habe ich das allerdings in dem Fall im freien sozialen Netzwerk Fediverse, wo Axwax und dessen Remixerin Pulu ausgesprochen aktiv sind, vor allem auch innerhalb der Bonkwave-Bewegung. Und holy moly - da haben sich zwei gefunden. AxWax selbst hat mir gestanden, dass ihn dieser Remix geradezu umgehauen hat. Die Remixerin Pulu aus Finnland, die hatten wir kürzlich mit einem *Chiptune* hier in der Sendung - aber die kann weit mehr als nur Chiptunes, die ist z.B. auch intensiv mit Supercollider am werkeln, dieser Programmiersprache um -live- Musik zu coden und generell ist sie eine unglaublich kreatvie Nerdin wenn es um Sound geht. Konnten wir gut hören. Und ist übrigens nicht auf [Spotify] Auch sehr kreativ in Sachen Sound ist ↓↓↓ **05. Jacob 2-2: N E T W O R K 二十三 | NETWORK [A]** ↑↑↑ Und wenn ich hier Musik von Jacob 2-2 spiele, dann kann das schlecht die kanadische Trickfilmserie sein. Nein, in diesem Fall ist Jacob 2-2, eigentlich David Ahuja, ein Musiker aus Brooklyn, der in den 90ern mal bei einer Band namens Wheeljack mitgemacht hat… aber hauptsächlich, und das ist interessant - im Trick-Animationen Business beschäftigt ist - insofern stellt sein Pseudonym Jacob 2-2 womöglich eine Homage an die gleichnamige Trickfilm Serie dar. Mitgemacht hat er da nachweislich nicht, statt dessen hat er damals, in den 2000ern gleich mal 5 Videos für There might be Giants gemacht… Ihr merkt es schon, wir haben es hier mit einem kreativen Tausendsassa zu tun - und diese überbordende Kreativität tropft regelrecht aus jeder Note dieses Albums “Network A”. [Alex Chip] Und damit sind wir schon bei der Hälfte angelangt von [Tellerrand] und da gibt es noch für Euch - Energetischen 140er Bass - IBM (der Radio-Irrtum! eigene Begriff für Intellectual Bass Music) - Experimental Spoken Words - weniger experimental Spoken Words (ja, einen kleinen Schwerpunkt haben wir auf Spoken Words - vielleicht mache ich dazu auch mal ein Special) - dark riot grrrl Postpunk - und zum Abschluss versträumtes Downtempo Lofi zum Glücklichwerden Aber sagt mal, ist heute nicht auch [Saturday] Zeit, die Clubs heimzusuchen, am besten die, bei denen die Floors vor lauter Bass ordentlich vibrieren, und vielleicht wird da auch das Folgende gespielt ↓↓↓ **06. Cardozo: Vidourle | TVA 3000% [VA]** ↑↑↑ Various Artists heißt in diesem Fall, das wir es hier mit einer Art Werkschau des französischen Labels TETE VIDE (“Teedtä Vvvviede”) zu tun haben, wo jede Menge krasse Tracks drauf sind; ich bin mir nicht mal sicher, ob ich mit diesem Track von Cardozo den besten rausgesucht habe, aber ich finde, der kickt schon mal ordentlich und ist auch gleich der Opener dieser Compilation. Auch bassig, aber mit einer ORDENTLICHEN Schippe Experimentierfreudigkeit obendrauf, so dass wir hier bei Radio Irrtum von IBM reden, von Intellectual Bass Music.. so geht es jedenfalls jetzt weiter mit - moment, wir lassen das einfach mal einen Hörer ansagen, der tatsächlich gerade hier angerufen hat - Bitteschön. [Dieter] **07. Ship Sket: iLuminatriX | InitiatriX [A]** ↑↑↑ Das ist auch wieder so ein unglaublich kreatives Album - der Typ ist dermaßen talentiert, der Hammer. Er stammt aus einer Close-Knit Community in Manchester - hat sogar ein eigenes Label namens “Hdmurder” und ist seit einigen Jahren in Sachen british Drill und Grime unterwegs. Es gab in diesem Track schon einiges an schwer zu verstehenden “Spoken Words” - eine Meisterin dieser Klasse ist ja AGF, auch als “Poemproducer” bekannt, was den Nagel auf den Kopf trifft. Die ist von dem polnischen Duo IFS angesprochen worden, etwas zusammen zu machen; genau das ist passiert und heraus gekommen ist ↓↓↓ **08. IFS meets AGF: Limits | East-West Logistics (A)** ↑↑↑ AGF, die längst in Finnland lebende, aber in der DDR aufgewachsene Künstlerin, die auch starke Verbindungen mit der Avantgard-elektronischen Szene Berlins hat, wo sich u.a. auch Menschen wie Gudrun Gut bewegen, diese AGF hatten wir ja schon ein paar mal hier in der Sendung. IFS aus Polen hingegen sind für mich und die Hörer:innen von Radio Irrtum! neu – dabei haben die beiden auch bereits eine Art Legendenstatus in der internationalen experimentellen Musikszene. Vor allem Krzysztof “Freeze” Ostrowski, aus Bromberg übrigens, möchte ich hier hervorheben, der m.E. in Sachen Kreativität und Experimentierfreudigkeit innerhalb eines minimalistisch-Elektronischen Umfelds auf mindestens eine Stufe mit Frank Bretschneider von der AG Geige gestellt werden darf. Warum ich hier solche Ost-Legenden erwähne? Weil, der Name des Albums “East-West Logistics” deutet es ja bereits an - weil hier persönliche Erfahrungen der Beteiligten verarbeitet werden, die mit dem Heranwachsen östlich des eisernen Vorhangs und dem anschließenden Übergang in die völlig anders tickende westliche Ökonomie einhergehen. Ihr findet das übrigens nicht auf [Spotify]! [Alex Berlin] Das ist der Sender, die Sendung nennt sich Radio Irrtum! und mein Name ist Herr Irrtum! Lasst uns noch ein wenig beim gesprochenen Wort bleiben - hier ist ↓↓↓ **09. Pouya Ehsaei: Joy | People of the Wind [A]** ↑↑↑ Pouya Ehsaei, das ist absolut kein Unbekannter, das ist ein Iranisch-britischer Künstler mit einem Abschluss, einem PhD in Musikwissenschaft sowie einem Magister in Musik-Technologie – sprich, der weiß genau, was er tut – aber er lässt, und das finde ich sehr sympathisch - diesen akademischen Background nicht raushängen und bleibt mehr dem Herzen, der emotionalen Seite der Musik verbunden mit allem, was er künstlerisch tut. Und das tut er mit Erfolg; er hat u.a. bereits in der Royal Albert Hall performt. Er ist dabei auch in dieser Poetry/Spoken Word Szene aktiv und hat hier schon diverse vielbeachtete Festivals wie das “From the Lips to the Moon” organisiert. Aber hier hat doch gerade eine Frau gesprochen und es ist immer wieder ein Saxophon zu hören gewesen - was hat es damit auf sich? Die Stimme gehört Tara Fatehi aus Tehran. Sie ist in allererster Linie eine Künstlerin mit Fokus auf Schreibkunst. Als solche bewegt sie sich bereits seit 2006 zwischen Performances, Theater, Videokunst, Music, Spoken Words (klar), und Ausdruckstanz. Sie ist übrigens die erste Künstlerin überhaupt, die als Resident an der Botschaft der ausländischen Künstler:innen in Genf war, einem Projekt der Vereinten Nationen. Und ja - sie ist auch diejenige, die hier das Barriton-Saxophon spielt. Was für eine Kooperation! Zeit für was ganz anderes - mal wieder haha - nämlich Postpunk: Hier ist ↓↓↓ **10. My Dog's A Bear: Fear | Deep Fried Bitches [A, 2026]** ↑↑↑ Das Lied gibt es seit mindestens 2022, aus der Zeit gibt es nämlich ein Live-Video auf Youtube. Aber erst 2026 wird es auf dem Debütalbum erscheinen – eben auf Deep Fried Bitches, allerdings gibt es bereits 2 EPs von denen. Seit 2020 agieren “My Dog's A Bear” schon und zwar von Paris aus. Sie sagen von sich, sie machen Musik zum Tanzen auf Gräbern. Findet Ihr im übrigen nicht auf [Spotify]. Passt doch gut zum November, sag ich mal, und der hat Euch hiermit fast wieder, denn wir sind jetzt am Ende von [OMG] Jaja- Mein Name ist Herr Irrtum! und Ihr findet mich, die Playlist und das Manuskript zu dieser Sendung im freien Netzwerk Fediverse unter… @herr_irrtum@s.basspistol.org Wobei – ein im wahrsten Sinne des Wortes traumhaftes Lied von City Girl habe ich noch für Euch. Die hat es wunderbar geschafft, in Musik zu gießen, wie es sich anfühlt, ein Blatt an einem Baum an einem sonnigen Tag sein zu können. Hört selbst - hier kommt City Girl vom Album “I don't know why I feel ok right now, but it's nice” mit ihrem Stück “How I imagine it feels to be a leaf on a sunny day”. Lasst Euch von Euren Träumen treiben und machts gut – vielleicht bis zum nächsten Mal im weihnachtlichen Dezember, Euer Herr Irrtum! **11. City Girl: How I imagine it feels to be a leaf on a sunny day | I don't know why I feel ok right now, but it's nice [A]**