# Radio Irrtum! (2024/08a) - Willkommen im Jungle

Völlig unterstützungsfrei aber dennoch mit voller brachialer Energie:
Liebe Hörer:Innen – hier ist Radio Irrtum! und am Mikrofon ist Herr
Irrtum! und all das spielt auf den fein modulierten Frequenzen von Alex
Berlin! auf 91 Null (gemeint sind MHz), oder auch auf DAB+ auf K7D und
natürlich im international Stream.  
Bevor ich Euch eröffne, was heute alles gespielt wird, kommen wir zu
einem kleinen Hammer, einem Hämmerchen sozusagen, und das wird
geschwungen von diesem Typen hier…

  

[I need love]

  

Jaja, diese unsägliche 808 Programmierung mit diesen naiven Harmonien
haben es 1987 auf Platz 1 der US-Billboardcharts geschafft, und es war
damals exakt so grauenvoll wie heute und NIEMALS hätte ich gedacht, dass
ich diesen üblen Typen, nämlich LL COOL J mal richtig mögen würde. Aber
3 Jahre später hat er “Mama said knock you out” gemacht, und das war so
ein anderes Kaliber, der Mann war überhaupt nicht mehr wieder zu
erkennen, das ist tatsächlich ein zeitloser echter Hammertrack. Heute
ist LL Cool J 56 Jahre alt und er hat einen neuen Track released, und
der ist dermaßen jazzy, laidback und auch mit gutem Flow gerappt, dass
ich nur den Hut ziehen kann und Euch das ganze nicht vorenthalten will.
Hier ist er für Euch, ↓↓↓

  

**01. LL Cool J: Passion | The Force [A - 2b announced]**

  

↑↑↑ Ja, es wird vermutet, dass sein kommendes Album “The Force” heißen
wird; es wird vermutet, dass es noch 2024 erscheint - und mehr gibt es
dann leider erstmal auch nicht zu diesem Thema zu sagen.

Und damit sind wir mittendrin in…
  
[Tellerrand]

  
Und wenn Ihr Euch fragt, was es in der kommenden Stunde so geben wird,
dann sage ich Euch das sehr gern. Wir werden haben

  
  - 80s Kassetten-Style future phunk
  - Lofi IDM beats
  - modern DnB
  - BASS
  - super deep Dub
  - experimental electronics
  - experimental jazz
  - weiblich-italienischer Hardcore Punk
  - Egg Punk
  - polnischen Schlafzimmer Punk
  - trippy shoegaze

Und weil das alles noch nicht reicht, lassen wir im Hintergrund während
ich spreche noch etwas laufen, nämlich das aktuelle Album von Monodrone:
永​遠​の​悲​し​み [“Na da. To no Kie Zi mi”] was
übersetzt “Ewige Traurigkeit” bedeutet. Wir lauschen mal für ein paar
Sekunden in den Track “shinto deity” …
  
[5s ]


Aber jetzt zu etwas anderem, zu etwas, was wie ein Tape aus den 80ern
klingt, was irgendwie kaputt ist. Hier ist


**02. amos.sys: horse painting | studio apartment [A]**

↑↑↑ und das war sogar ein Creative Commons release, also freie Musik,
die ihr nicht nur völlig legal beliebig kopieren und Freund:innen
verschenken könnt, sondern sogar remixen dürft – weil das A) der Autor
so will und B) das m.E. der einzig vernünftige Weg ist, Musik ordentlich
voran zu bringen. Und der Autor, das ist eben amon.sys; ein junger Mann
aus Nottingham in den UK, der diesen Style unter dieser Art von Lizenz
bereits seit 2018 verbreitet.  
Ein bisschen Beat-mäßig verbleiben wir noch und zwar bei ↓↓↓



**03. Metamatics: Solange Jimenez (Kadahvresk Version) | Celestial
Disney Beats [A]**

↑↑↑ Metamatics, das ist eigentlich Lee Norris, und der taucht seit Mitte
der 90er in der IDM Scene unter diversen Namen auf, u.a. Norken oder
Nacht Plank - zudem spielt er in diversen Projekten mit. Der hat lange
in Italien gelebt, ist jetzt wieder zurück in den UK, seiner Heimat, wo
er nunmehr an einem abgelegenen geheimen Ort lebt - denn er hat nicht
unbedingt eine positive Einstellung der Menschheit gegenüber. Er sagt:

  
*“I’m not interested in humans much to be honest. They seem to fuck
everything up they touch and my life and location here has basically got
me not interacting much with people. [...]*

*Machines are made by humans so that’s one positive [...]  
At the end of the day you can turn it off. It does not argue with you or
have an opinion and if it did then it’s only what a human programmed
into it.”*


“*Ganz ehrlich, ich interessiere mich nicht besonders für Menschen. Sie
scheinen alles zu versauen, was sie anfassen, und mein Leben und mein
Aufenthaltsort hier haben dazu geführt, dass ich nicht viel mit Menschen
zu tun habe. [...]  
Maschinen werden von Menschen gemacht, das ist ein Pluspunkt [...]  
Am Ende des Tages kann man sie einfach abschalten. Sie streiten nicht
mit dir oder haben eine Meinung, und wenn doch, dann nur die, die ein
Mensch in sie einprogrammiert hat.”*


Kann man so handhaben – allerdings hoffe ich für ihn, dass er diese
Haltung nicht eines Tages bereut. Denn es gibt ja nicht nur einen Typus
von Menschen.


[ALEX]


Auf diesem feinen Sender hört Ihr gerade Radio Irrtum!, mein Name ist
Herr Irrtum! Und damit kommen wir jetzt endlich zu ultramodernem Drum n
Bass… hier kommt für Euch in Radio Irrtum! auf Alex Berlin auf 91 Null…
errr

[Saturday]

Ja, das auch, das wollen wir natürlich nicht vergessen - Samstag ist ja
Club-Tag - und in diesem Sinne jetzt ↓↓↓


**04. Aroma Nice: Esper Stills | Cycling Into Oncoming Traffic [E]**

↑↑↑ Das war mal ein verhältnismäßig ruhiges und entspanntes Stück von
DEM Drum n Bass Producer der Jahres, wenn Ihr mich fragt, eben Aroma
Nice. Denn der hat normalerweise mehrere Schwärme Wespen im Hintern, so
hektisch, wie er seine Beats drangsaliert. Interessanter Weise hat er
sich einen Wohnort im Nordwesten von England ausgesucht, von dem er
sagt, dass er da stundenlang durch die Parks laufen kann, ohne einer
Menschenseele zu begegnen. Das finde ich interessant, dass die Leute mit
den wildesten Beats diejenigen sind, die sich darüber freuen, wenn sie
nicht so viel mit Menschen zu tun haben - wir hatten das Thema ja vorhin
schon mit Metamatics.

Vom Drum n Bass zu 50% dessen, zu dem Hier:

[BASS]

Vom Hamburger Label Saturate - hier ist ↓↓↓

  
**05. Kage: M E R A K M E R A K [S]**

↑↑↑ Und Kage, der kommt aus Zoetermeer in den Niederlanden. Schon seit
längerem unterstützt er diverse Szene Größen produktionstechnisch; doch
erst seit 2018 agiert er höchstselbst auf hauptsächlich europäischen DJ
Stages und wird da gemeinhin für seinen minimalen Bass Style geschätzt.
Kage, Mortal Kombat Spieler wissen das vielleicht, ist ja ein Wort aus
dem Japanischen, und bedeutet so viel wie “Schatten”.

Und wenn wir schon im Bassbereich unterwegs sind, sei die Frage
gestattet, ob man denn noch tiefer ins noch Dunklere gehen kann. Und JA,
das kann man, wenn man sich im klassischen DUB Bereich umschaut. Ich
hoffe entsprechend, Ihr habt einen Tieftöner am Start, der dieser
Bezeichnung würdig ist, sonst verpasst Ihr über die Hälfte der Klänge
des folgenden Tracks ↓↓↓


**06. Ghost Dubs: Thin Line Version | Damaged Versions [E]**

Das war ein Ausschnitt von ↑↑↑ . Ghost Dubs, das ist eigentlich der
Stuttgarter Produzent Michael Fiedler und Damaged ist *eigentlich* sein
Debut-Album (und entsprechend seine EP “Damaged Versions” dann die
Variation einiger der Stücke daraus). Aber *eigentlich* ist es auch
wieder nicht sein Debütalbum, denn er ist zudem unter weiteren
Künstlernamen wie Tokyo Tower oder Jah Schulz unterwegs und begeistert
insofern schon seit fast 20 Jahren mit innovativen Tracks aus dem Reaggy
und Dub Bereich.

Und damit wechseln wir mal in ein ganz anderes Genre, nämlich in die
experimentelle Musik, hier ist aus Ljubljana in Slowenien ↓↓↓
 

**07. oka: La peau | Access Frame: Authority [Compilation]**

[Alex Berlin]

Vor der Station ID das war ↑↑↑ . Auch wieder ein Creative Commons Track,
diesmal von einer Compilation von dem Netlabel Kamizdat, was ein Pionier
in der Creative Commons Landschaft ist. Da, wo Künstler:Innen unterwegs
sind, die ein Interesse daran haben, dass ihre Musik frei verwendet und
weiterverarbeitet werden kann.

Die eben gehörte OKA ist Sängerin, Produzentin, Darstellerin und eben
Klangkünstlerin – die sich vor allem der Poesie der Stimme widmet. Neben
der Tonalität von Stimmen nutzt sie eine Reihe von akustischen
Instrumenten, field recordings und diverse Objekte, um eine ganz eigene,
regelrecht intime Klangwelt zu erzeugen.

Ganz ähnlich wie die Akkordeonistin Anja Kreysing ¹), die wir zusammen
mit diversen Mitstreitern gleich noch hören! Vorher fasse ich aber noch
kurz zusammen, was Euch hier in der zweiten Hälfte dieser Sendung
erwartet, also hier auf…


¹) *[Anmerkung nach der Sendung. Es soll auf keinen Fall unterschlagen
werden: Anja Kreysing ist nicht einfach „nur“ eine Akkordeonistin, sie
ist eine der international meist geschätztesten „Fine
Arts“-Performerinnen, die dieses Land zu bieten hat.]*

  [Tellerrand]


Da gibt es weiterhin

  - experimental electronics aber auch
  - experimental jazz
  - eine ganze Reihe von Punk, nämlich
    - weiblich-italienischer Hardcore Punk
    - Egg Punk
    - polnischen Schlafzimmer Punk
  - und zum Abschluss dann trippy shoegaze

Aber jetzt erstmal, wie schon angedroht, Anja Kreysing zusammen mit
Castrup und Neau mit DynAMO.
  

**08. Kreysing, Castrup & Neau: DynAMO (dedicated to D. Suzuki) | Before
and after silence [A]**

↑↑↑
Die völlig granularsynthese-verrückte Akkordeonistin Anja Kreysing, die
hauptsächlich in Münster aktiv ist, hat sich hierfür also mit Philippe
Neau und Hans Castrup zusammengetan, aber nicht in einem Raum! Sondern
sie haben sich die Aufnahmen im Ping Pong Verfahren immer wieder
gegenseitig zugeschickt und alle Beteiligten haben während dieser
Iterationen ihre individuellen Perspektiven hinzugefügt. Am Ende hat
Anja Kreysing dann diese Versatzstücke zu kompletten Tracks
zusammengefügt.

Dieses ebengehörte Stück ist übrigens Daisetsu Teitaro Suzuki gewidmet.
Und das wiederum war ein japanischer Philosoph, der im vergangenen
Jahrhundert aktiv war und als derjenige gilt, der die Idee des ZEN in
den Westen brachte - also stark verkürzt die Lehre des Verzichts, des
Blicks ins eigene Innere, der Meditation. Also etwas, was wir hier in
der westlichen Welt nötiger denn je haben.

[Richtigstellung. Tatsächlich geht es um Damo Suzuki, den Sänger von
CAN von 1970-1973]


In eine ähnliche Richtung, aber deutlich akustischer aufgezogen, zielen
die folgenden Herren: ↓↓↓


**09. Kevin Miller / Richard Mariconda: Top over Bottom | downriver
drift [A]**

↑↑↑ Und auch das ist wieder ein Track aus der Creative Commons Domain -
free to share - free to edit. Super schön, dass das Thema wieder
dermaßen Fahrt aufnimmt.  
Genau wie Kreysing, Castrup & Neau haben sich Kevin Miller und Richard
Mariconda nie getroffen, obwohl Kevin Miller sich das eigentlich
sehnlichst gewünscht hätte – aber es hat einfach nicht sollen sein. Und
so hat er seine Gitarrenaufnahmen seinem Lieblings-Elektronik Zauberer
geschickt, also an Richard Mariconda und der hat mit diesem Material
weiter gearbeitet und herausgekommen ist dann eben dieses Album
“Downriver drift” was ich allen Liebhaber:innen experimenteller Musik
schwer ans Herz legen kann.

Den nächsten Titel hat sich ein treuer Hörer dieser Sendung gewünscht
und da sei ihm die Ehre gegönnt, den Track auch selbst anzusagen,
bitteschön Dieter!

[Dieter]

**10. CIMITERO: POLEMOS | IL CULTO DELLA CAROGNA [E]**

Also da ist irgendwas schief gelaufen, das war offenbar nicht Joe
Cocker, das waren ↑↑↑

Die kommen wenig überraschend aus Italien, aus Parma, um genau zu sein -
und sie sind ein Duo:  
Alice haben wir am Mikrofon gehört, den ganzen Rest
erledigt Mattia.

[Alex Berlin]
  
Genau - Radio Irrtum! ist die Sendung und mein Name ist Herr Irrtum! und
wir machen hier weiter mit

[Punk], hier sind


**11. Pust: La faute de la boîte [La futt düe la bu-adds] | PUST
[E]**

↑↑↑ und solltet Ihr Euch fragen, was jetzt der Bandname “Pust” bedeuten
soll: Gar nichts, erklären die beiden Herrn Poirier [Porrarjäi] und
Doucet-Carrière [Dussett Carrjähr] aus Montreal.

Wir nehmen ein bisschen Hektik raus und gehen nach Polen, genaugenommen
nach Stettin und hören von da…


**12. Bzdet: Szal [DSCHAHLL] | Nie​ł​ad [A]**

↑↑↑ Bzdet aus Stettin in Polen - meines Erachtens das mit Abstand Beste,
was Polen derzeit an melancholischem Postpunk zu bieten hat.
Hervorzuheben ist zudem, dass Bzdet das alles ganz allein produziert.

Und glaubt es, oder glaubt es nicht

[OMG]

ja… damit sind wir am Ende von dieser Radio Irrtum! Sendung. Mein Name
ist Herr Irrtum! und Ihr findet mich, die Playlist und das Manuskript zu
dieser Sendung im freien Netzwerk Fediverse unter…

  - https://s.basspistol.org/@herr_irrtum

Sagte ich, wir sind am Ende? Na gut - nicht ganz - es gibt noch ein
fabelhaftes Stück von “dummy” aus Los Angeles. Die wollen mehr Dance in
die Rockmusik bringen, haben sie sich vorgenommen - bin mir nicht
sicher, ob ihnen das gelungen ist. Zumal sie das Musikmachen offenbar
als recht anstrengend empfinden, denn sie sagen wörtlich: Musikmachen,
das ist kein Spaß. Jaja! Aber nichts destotrotz haben sie ein ziemlich
schönes Stück gemacht, nämlich “Nine Clean Nails” und das hören wir nun
zum Abschluss.

Bis zum nächsten Mal in 4 Wochen, dann mit einem John-Peel-Sessions
Special! Bis dahin, danke fürs Zuhören und gehabt Euch wohl… Euer Herr
Irrtum!  
  

**13. dummy: Nine Clean Nails | Free Energy [E]**
